
Hintergrund - mein ExMann bekommt Hartz IV und ist innerhalb Berlin umgezogen und musste einen Neuantrag stellen. Wir leben seit 13 Jahren getrennt und sind seit 2 Jahren geschieden. Der Brief des Jobcenters bezog sich auf das Gesetz: Unterhalt nach der Scheidung wegen Arbeitslosigkeit, § 1573 BGB.

Recherchen und die Befragung meiner Anwältin ergaben folgendes Bild: es gibt also Gesetze, die dem geschiedenen Ehegatten, der sich nicht selbst versorgen kann, ermöglichen sollen, den Lebensstandard zu halten den er (den sie) während der Ehe gehabt hat. Des weiteren übernimmt ein Jobcenter/Arge den Unterhaltsanspruch. Auch wenn ein Exehegatte keinen Unterhalt einklagt und einklagen will macht das dann das Jobcenter/Arge um damit die Kosten für das Hartz IV zu decken.
Ich habe viel im Internet recherchiert dazu, und es wird immer wieder nur der "klassische" Fall zitiert - der Mann verdient mehr als die Frau - bzw. die Frau hat gar nichts verdient und war zuhause. Es handelt sich hier nicht um Unterhalt für/wegen Kindern und Kinderbetreuung - da gibt es ein extra Gesetz und das will ich hier auch mal außen vor lassen. Also - trennt sich so ein Paar ist der Mann verantwortlich für die Zukunft der Frau sozusagen. Das Gesetz wird schon auch streng gehandhabt - also wird auch Initiative von der Frau verlangt, z.B. nachzuweisen, dass sie sich aktiv um einen Arbeitsplatz bemüht.

Dazu ist es noch interessant zu wissen, dass die Ehepartner während der Ehe vom sogenannten Ehegattensplitting profitieren. Also Beispiel ein Paar ohne Kinder. Bei einem Brutto von 3500,- bekommt ein verheirateter Alleinverdiener 304,- € monatlich mehr als ein verheirateter Doppelverdiener oder ein Single bei gleichem Brutto. Theoretisch kann natürlich auch eine Frau Alleinverdiener sein. Hier eine Zahl - In 44,3 Prozent aller deutschen Paarhaushalte ist der Mann der Alleinverdiener. Habe keine Zahl für Frauen als Alleinverdiener gefunden. Es ist auch nicht ganz klar, ob sich die 44,3 Prozent tatsächlich auf Paare ohne Kinder beziehen - das Wort "Paarhaushalt" legt das nahe. Das zieht sich dann auch noch bis in die Rente, nehmen wir einmal ein "klassisches" Paar - er stirbt verfrüht und sie bekommt Rente, ohne selbst einbezahlt zu haben.

Ich finde dieses Konstrukt erschreckend. In meinen feministischen Überlegungen bin ich da auch an einem Punkt angelangt, wo ich mir denke: es gibt eine Menge FeministInnen in jeder Generation, die sich durch massive Widerstände kämpfen und auf vielen Ebenen dafür sorgen, dass Frauen in der Gesellschaft mit Männern gleich behandelt werden. Lohn, Quoten, Kinderbetreuung, Abschaffung des Ehegattensplittings (siehe oben) hier nur einige Stichworte.

Dieser Kampf wird sich aber nicht durchsetzen können, wenn es nach wie vor Paare gibt, die das 50er Jahre Modell leben. Wenn es Frauen gibt, die sich in der Ehe in die eigenen vier Wände zurückziehen und sich nicht auf ihre eigenen Füße stellen und es nach wie vor Männer gibt, die eine häusliche Vollzeitversorgung für sich und ihre berufliche Karriere wollen/brauchen. Die Gründe sind jetzt auch mal nur so geraten. Es wäre interessant, wenn es dazu eine Untersuchung gäbe - bzw. kennt jemand eine, in der nachgeforscht wurde, warum es heutzutage noch solche Paarbeziehungen gibt? Würde mich sehr stark interessieren.